Teriflunomid – gute Therapie­erfahrungen über nunmehr 15 Jahre

Relevante Artikel

Teriflunomid – gute Therapie­erfahrungen über nunmehr 15 Jahre

Langzeiterfahrungen spielen eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der Wirksamkeit und Sicherheit eines Arzneimittels. Die vorliegenden Daten und Erfahrungen im Praxisalltag sprechen dabei für Teriflunomid (AUBAGIO®): Der Wirkstoff hat sich bei der Behandlung der schubförmig-remittierenden Multiplen Sklerose (RRMS) etabliert, wobei inzwischen Therapieerfahrungen über 15 Jahre vorliegen. Die Studiendaten bescheinigen dem Immunmodulator eine anhaltend gute Wirksamkeit und ein konsistentes Sicherheitsprofil – was sich auch langfristig in der täglichen Praxis bestätigt hat, berichtet Dr. Veit Becker aus Hamburg. Weltweit wurden mittlerweile rund 100.000 Patienten über mindestens 285.000 Patientenjahre mit Teriflunomid behandelt.1,2

„Einfacher Einnahmemodus, zuverlässige Wirksamkeit“

Bei der Markteinführung galt Teriflunomid laut Becker zunächst als wenig spektakuläre Neuerung bei der MS-Therapie. Als besonderer Vorteil wurde vor allem der mit einer Tablette täglich sehr einfache Einnahmemodus erachtet.3 „In der Zwischenzeit haben wir den Wirkstoff aufgrund seiner bewährten und verlässlichen Wirksamkeit und dem günstigen Sicherheitsprofil zunehmend schätzen gelernt“, berichtete der niedergelassene Neurologe in einem Interview.

Die praktisch schon unspektakuläre, verlässlich gute Wirksamkeit von Teriflunomid ist nach Becker in der täglichen Praxis ein wichtiges Kriterium: „Es gab in den vergangenen Jahren viele Therapietrends, bei denen es darum ging, selektiv bestimmte immunkompetente Zellen bei der MS zu beeinflussen. Längst nicht alle Konzepte haben die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. In all den Jahren hat sich Teriflunomid jedoch als bewährte Therapieoption erwiesen, auf deren Wirksamkeit wir uns verlassen können“, so Becker.

Umfassendes Studienprogramm mit vielen Fragestellungen

Es gibt zu Teriflunomid ein umfassendes Studienprogramm mit klinischen Studien zu unterschiedlichen Fragestellungen und auch mit Real World-Studien, die die Behandlungssituation im klinischen Alltag abbilden. In all diesen Studien hat sich Teriflunomid laut Becker als ein verlässlicher Partner in der MS-Therapie erwiesen. Das betrifft die Wirksamkeit wie auch die Sicherheit und Verträglichkeit. So belegen Studien, dass Teriflunomid die Schubrate signifikant und nachhaltig senkt und eine Behinderungsprogression effektiv verlangsamen kann.

Konkret wurde in zwei Zulassungsstudien eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression erwirkt.4,5 In Langzeitbeobachtungen über bis zu zwölf Jahren zeigte sich ein stabiler oder sogar verbesserter EDSS (Expanded Disability Status Scale) von im Mittel 2,27 nach 12 Jahren versus 2,57 bei Baseline.6

Die jährliche Schubrate war über den gesamten Beobachtungszeitraum niedrig und nahm mit der Zeit unter der Therapie  ab von initial 0,31 auf 0,08 nach 12 Jahren. Es resultierte dabei ein hoher Anteil schubfreier Patienten von bis zu 80 Prozent.6

Konsistentes Sicherheitsprofil

Für Teriflunomid spricht nach Becker nicht nur die gute Wirksamkeit, sondern auch die gute Verträglichkeit. „Wir schätzen insbesondere die Robustheit der Studiendaten und der Praxiserfahrungen hinsichtlich des Sicherheitsprofils“, betonte der Neurologe. Es gab nach seiner Darstellung in all den Jahren, in denen mit Teriflunomid behandelt wird und in allen Studien keine Überraschungsmomente. Dies gelte auch für den Einsatz der Vorläufersubstanz in der Rheumatologie mit einer Anwendung von rund 2,1 Millionen Patientenjahren. Das unterstreicht, so Becker, das konsistente Sicherheitsprofil  von Teriflunomid in der Langzeitbehandlung, wie sie ja bei der MS erforderlich ist.

Das erklärt zudem auch die insgesamt hohe Behandlungszufriedenheit der Patienten unter Teriflunomid. Auch Wechsler von Injektionstherapien wie Glatirameracetat und Interferon-Präparaten sowie Dimethylfumarat berichteten in allen Domänen des TSQM* nach 48 Wochen eine signifikante Verbesserung verglichen mit Baseline.7 „Für mich ist Teriflunomid daher ein Mittel der ersten Wahl bei der First Line-Therapie von Patienten mit Multipler Sklerose. Eine weitere Indikation sehe ich bei Patienten, bei denen eine Therapieumstellung beispielsweise aufgrund von Verträglichkeitsproblemen angezeigt ist“, erläutert Becker seine Erfahrungen im Praxisalltag.

Grundfunktion der Immunabwehr bleibt erhalten

Trotz der Therapieerfahrungen über nunmehr 15 Jahre gibt es zu Teriflunomid neue wissenschaftliche Erkenntnisse. So konnte jüngst in einer Studie gezeigt werden, dass  der Wirkstoff regulierend in die bei der MS gestörten Zellprozesse eingreift (siehe Apropos).8 Das untermauert laut Becker die vorliegenden Studiendaten sowie die positiven Erfahrungen zur Wirksamkeit und Sicherheit in der Praxis.

Die Grundfunktion der Immunabwehr bleibt unter der Therapie erhalten. Es besteht kein erhöhtes Infektionsrisiko im Vergleich zu Placebo und ein nur vergleichsweise geringes Risiko für eine Lymphopenie. Vielmehr bleiben die  mittleren Lymphozyten- und Neutrophilenzahlen im Allgemeinen im Normbereich.3,9

Es sind zudem Impfungen mit inaktivierten Vakzinen unter Teriflunomid problemlos möglich und erwirken einen adäquaten Impferfolg. Dies gilt sowohl für eine Impfung gegen Tollwut als auch für eine Impfung gegen Influenza, für die in Studien eine ausreichende Impfantwort unter Teriflunomid dokumentiert wurde.10,11

MS Ikon Apropos

Apropos

Neue Erkenntnisse zum Wirkmechanismus

Teriflunomid hemmt reversibel und selektiv das mitochondriale Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH), das die De novo-Pyrimidinsynthese katalysiert, die insbesondere in proliferierenden Zellen benötigt wird.3 In den Mitochondrien greift Teriflunomid über die DHODH-Hemmung in die Atmungskette ein, wobei die Wirkung der Substanz primär aktivierte T-Zellen betrifft. Dabei wirkt Teriflunomid jedoch nicht auf alle aktivierten T-Zellen gleich. Die Hemmung ist besonders ausgeprägt in hochaffinen T-Zellen, also in Zellen mit besonders starker Antigenaffinität.8 Es resultiert eine selektive Hemmung aktivierter hochaffiner T-Zellen. Ruhende Lymphozyten werden hingegen nicht beeinträchtigt, da sie auf die De novo-Synthese von Pyrimidin nicht angewiesen sind.12

Teriflunomid scheint somit gezielt die bei der MS charakteristischen pathophysiologischen Prozesse und das gestörte T-Zell-Rezeptor-Repertoire zu normalisieren.

Zusammenfassung

Mit Teriflunomid ist ein MS-Therapeutikum verfügbar, dessen Wirksamkeit und Sicherheit in Studien und anhand von Praxiserfahrungen über nunmehr 15 Jahre dokumentiert wurde.4-6 Es bewirkt eine signifikante Reduktion der jährlichen Schubrate wie auch der Behinderungsprogression. Die Daten zur Wirksamkeit wie auch zur Verträglichkeit und zur Sicherheit der Medikation sind robust und zeigen sich konsistent über klinische Studien wie auch Real World-Studien. Der Wirkstoff ist zudem einfach als einmal tägliche Tablette einzunehmen3 und sowohl als First Line-Therapie bei neu diagnostizierter Multipler Sklerose wie auch als Behandlungsoption bei Patienten, bei denen ein Therapiewechsel angezeigt ist, geeignet.

Zur Person

Dr. Veit Becker hat in Tübingen und Hamburg Medizin studiert und war lange Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter der Neurologischen Klinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf in Hamburg. Inzwischen ist Dr. Becker als niedergelassener Neurologe in der „neurologischen Praxis Eppendorf“, einer Schwerpunktpraxis für Multiple Sklerose, in Hamburg tätig.

*Treatment Satisfaction Questionnaire for Medication (TSQM): Patienten-Fragebogen, der die allgemeine Zufriedenheit, Wirksamkeit, Nebenwirkungen und Einfachheit der Therapie abfragt.

MS Ikon Referenzen

Referenzen

  1. Kappos L et al., Mult Scler 2019; 25 (S2): 806–889, EP1578
  2. Sanofi Genzyme, data on file.
  3. Fachinformation AUBAGIO®,, Stand September 2020
  4. O’Connor P et al., N Engl J Med 2011; 365 (14): 1293–1303
  5. Confavreux C et al., Lancet Neurol 2014; 13 (3): 247–256
  6. Freedman MS et al., Mult Scler 2018; 24 (S2): 530–737, P1233
  7. Coyle PK et al., Mult Scler Relat Disord 2017; 17: 107–115
  8. Klotz L et al., Sci Transl Med 2019; doi: 10.1126/scitranslmed.aaao5563
  9. Comi G et al., Mult Scler 2019:1352458519851981
  10. Bar-Or A et al., Neurology 2013; 81 (6): 552–558
  11. Bar-Or A et al., Mult Scler 2013; 19 (S1): 74–558, P622
  12. Gold R et al., Acta Neurol Scand 2011;124(2):75–84

MAT-DE-2003003 v1.0 (09/2020)

Für Fachkreise

Bitte loggen Sie sich ein, um ausführliches fachliches Informations- und Serviceangebot zu erhalten.

DocCheck-Login

Für Patienten

MS Begleiter informiert Erkrankte und ihre Angehörigen rund um das Leben mit MS

www.ms-begleiter.de