Ein Bericht zum Vortrag von Dr. Klemens Ruprecht von der Charité, Berlin Multiple Sklerose Ursache EBV Infektion als Ursache von MS in der Diskussion bei einem Kongress

Multiple Sklerose und Epstein-Barr-Infektion

Ein Bericht zum Vortrag von Dr. Klemens Ruprecht von der Charité, Berlin

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Multiple Sklerose und Epstein-Barr-Infektion

Es besteht eine sehr enge Assoziation zwischen einer Epstein-Barr-Virusinfektion (EBV-Infektion) und der Entwicklung einer Multiplen Sklerose. Dies bestätigt unter anderem eine aktuelle Studie, die Privatdozent Dr. Klemens Ruprecht von der Charité Universitätsmedizin Berlin im Rahmen der Session „Late Breaking News“ beim 34. Kongress des „European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis“ (ECTRIMS) in Berlin präsentierte.

Seronegativ für EBV – gibt es das bei der MS?

Laut Ruprecht steht zur Diskussion, dass die Entwicklung einer MS direkt an die EBV-Infektion gebunden ist. Das aber würde voraussetzen, dass EBV-seronegative Patienten quasi nicht zu finden sind. Die Multiple Sklerose wäre damit als eine seltene Komplikation einer EBV-Infektion anzusehen.

Dem widerspricht jedoch, dass in früheren Studien durchaus einige wenige EBV-seronegative Patienten mit manifester MS beschrieben wurden. Es stellt sich somit die Frage, ob in diesen Studien die Nachweismethoden möglicherweise nicht sensitiv genug waren, um EBV-Antikörper zu entdecken. Auch ist denkbar, dass die betreffenden Patienten möglicherweise keine Multiple Sklerose hatten, sondern eine andere neurodegenerative Erkrankung.

Multiple Sklerose – Komplikation einer EBV-Infektion?

Um die Bedeutung einer EBV-Infektion bei der MS zu klären, haben Ruprecht und Mitarbeiter seit 2010 Serumproben von 901 unbehandelten Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom (CIS, Clinically Isolated Syndrom) oder einer schubförmig-remittierenden MS (RRMS, Relapsing-Remitting MS) aus der deutschen nationalen MS-Kohorte, einer multizentrischen prospektiven Longitudinalkohorte, rekrutiert. Das Serum wurde mittels eines automatisierten Chemolumineszenz-Immunassays auf das Epstein-Barr Nuclear Antigen-1 (EBNA-1) getestet sowie auf IgG gegen das EBV-Kapsid-Antigen (VCA) mit einem Immunoblot. Serumproben, die negativ hinsichtlich eines IgG-Antikörpers gegen EBNA-1 und VCA sowie im EBV-IgG-Immunoblot getestet wurden, sollten als seronegativ gewertet werden.

Das Ergebnis: Alle Patienten erwiesen sich als seropositiv. Das unterstreicht nach Ruprecht frühere Befunde, die eine direkte Assoziation zwischen EBV und der MS postulieren. Der Mechanismus, über den die Krankheitsentstehung nach einer Epstein-Barr-Infektion induziert wird, ist bislang unklar und Gegenstand weiterer Forschungsaktivitäten. Auf jeden Fall sollte aus Sicht des Mediziners die „Diagnose Multiple Sklerose“ kritisch hinterfragt werden, wenn bei Serumproben eine EBV-Seronegativität festgestellt wird.

MS Ikon Referenzen

Quelle

  • „Late Breaking News” beim 34. Kongress des „European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis“ (ECTRIMS) in Berlin

GZDE.MS.19.03.0192

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