Ein Bericht zum Vortrag von Professor Dr. Patricia K. Coyle aus Stony Brook/USA Gehirn Histologie

Es gibt keine benigne MS

Ein Bericht zum Vortrag von Professor Dr. Patricia K. Coyle aus Stony Brook/USA

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„Es gibt keine benigne MS“

Die Multiple Sklerose gilt als „Krankheit der 1000 Gesichter“ und wird entsprechend dem klinischen Bild und dem Krankheitsverlauf in verschiedene Krankheitsformen unterteilt. Dabei wird immer wieder auch eine „benigne Multiple Sklerose“ aufgeführt. „Eine solche Krankheitsform gibt es jedoch nicht“, mahnte Professor Dr. Patricia K. Coyle aus Stony Brook/USA während eines Satellitensymposiums von Sanofi Genzyme beim 34. Kongress des „European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis“ (ECTRIMS) in Berlin.

Multiple Sklerose: Langsam schleichende Entwicklung

„Zwar gibt es Patienten mit Multipler Sklerose, bei denen es kaum zu einer Zunahme körperlicher Behinderungen kommt“, räumte die Wissenschaftlerin ein. „Doch auch bei Patienten mit vermeintlich benigner MS sind kognitive Einbußen im Sinne einer Multiplen Sklerose sowie Veränderungen in der Bildgebung im Bereich der kortikalen Neurone nachzuweisen“.1

So kann es nach Coyle sein, dass sich hinsichtlich des EDSS (Expanded Disability Status Scale) bei einigen Patienten auch über einen mehrjährigen Verlauf keine Auffälligkeiten zeigen. Das aber bedeutet keineswegs, dass die MS „gutartig“ ist, so Coyle. Die Patienten entwickeln nach ihrer Darstellung trotzdem oft kognitive und psychologische Veränderungen.1 Diese bleiben jedoch häufig unentdeckt und/oder werden nicht der MS zugeschrieben.

Neurologische Reserve als Kompensation

Dass die Veränderungen bei einigen Patienten lange nicht auffällig werden oder sich manifeste Störungen zurückbilden, ist laut Coyle nicht als Remission zu deuten. Es ist vielmehr durch die neurologische Reserve sowie die Aktivierung von Reparaturmechanismen bedingt.1

Ungeachtet der Tatsache, dass bei den Patienten aktuell keine Symptome erkennbar sind, ist von einer weiteren Progression der Erkrankung mit kontinuierlicher Entwicklung von Läsionen im Gehirn sowie einer Hirnatrophie „entlang der funktionellen Reserve“ auszugehen und gegebenenfalls eine Therapie durchzuführen. Die Multiple Sklerose manifestiert sich mit entsprechender Symptomatik, sobald die neurologische Reserve erschöpft ist und die Reparaturmechanismen als Kompensation nicht mehr ausreichend greifen.2

MS Ikon Referenzen

Referenzen

  1. Correale J et al., Mult Scler 2012; 18: 210-218

  2. Giovannoni G et al., Mult Scler Relat Disord 2016; 9 Suppl 1: S5-S48

 

Quelle

Symposium „Switching MS Treatments: patient trajectory, prior response and real world evidence to inform decision-making” beim 34. Kongress des „European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis“ (ECTRIMS) in Berlin

GZDE.MS.19.03.0189

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