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Teriflunomid bremst die Hirnatrophie

Gesunde Menschen verlieren üblicherweise pro Jahr 0,2 bis 0,4 Prozent ihres Hirnvolumens. Bei Menschen mit Multipler Sklerose kommt es zumeist zu einer forcierten Hirnatrophie, der Hirnvolumenverlust liegt im Mittel bei 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr.1 Er ist assoziiert mit einer Behinderungsprogression und auch mit Beeinträchtigungen der Kognition, berichtete Professor Dr. Mike P. Wattjes, Hannover, bei einem Symposium von Sanofi Genzyme im Rahmen des diesjährigen Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).2,3

Die beschleunigte Hirnatrophie vollzieht sich unabhängig von der Inflammation und ist schon früh im Krankheitsprozess zu beobachten. Sie kann ein Hinweis auf die weitere Krankheitsentwicklung sein. Denn, so Wattjes, „die kortikale Dicke hat prädiktive Bedeutung für das Auftreten kognitiver Beeinträchtigungen“.2

Erhöhtes Risiko für eine Behinderungsprogression

Der beschleunigte Hirnvolumenverlust geht außerdem mit einem erhöhten Risiko für eine Behinderungsprogression bei der Multiplen Sklerose einher.3 So zeigte sich in Studien mit einen Beobachtungszeitraum von sieben Jahren bei Patienten mit dem geringsten Hirnvolumenverlust eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit einer über 12 oder 24 Wochen bestätigten Behinderungsprogression.3

Bei den zur Krankheitsprogression führenden Mechanismen spielt laut Professor Dr. Christine Stadelmann-Nessler, Göttingen, die „schwelende“ Entmarkungsaktivität eine zentrale Rolle. Sowohl die fokale Entmarkung, die mit einer Infiltration von Immunzellen einhergeht, als auch die diffuse Neurodegeneration tragen nach Darstellung der Wissenschaftlerin mit zur neuroaxonalen Schädigung bei. Allerdings werden die molekularen Auslöser der diffusen Schädigung bislang noch nicht verstanden.

Hirnvolumen schützen – Progression aufhalten

Ausgehend von den aktuellen Erkenntnissen zur Bedeutung der Hirnatrophie besteht laut Wattjes ein wesentliches Therapieziel bei der MS darin, neben der Reduktion der Schubrate und der Behinderungsprogression unbedingt auch dem Hirnvolumenverlust entgegenzuwirken. Möglich ist dies durch eine Behandlung mit Teriflunomid (AUBAGIO®), wie Studien belegen. Demnach reduziert der Wirkstoff in placebo-kontrollierten Studien signifikant den Verlust an Hirnvolumen über zwei Jahre.4 Real World-Studien belegen ebenfalls eine Hemmung der Hirnatrophie durch Teriflunomid: So zeigte sich in der Studie Teri-Radar eine signifikant geringere Hirnvolumenänderung unter Teriflunomid im Vergleich zu einer Behandlung mit Dimethylfumarat (DMF).5

Die gute klinische Wirksamkeit im Hinblick auf die Hirnatrophie belegen ferner Vergleichsstudien mit dem Anti-CD20-Antikörper Ofatumumab.6 In zwei großen Head-to-Head-Zulassungsstudien des Antikörpers mit mehr als 1.800 Patienten zeigten sich beide Wirkstoffe hinsichtlich der zu verzeichnenden Hemmung der Hirnatrophie als ebenbürtig. „Es gab keinen statistisch signifikanten Unterschied“, erläuterte Wattjes. In der Teriflunomidgruppe war sogar ein numerischer Vorteil nach 12 wie auch nach 24 Monaten zu registrieren.6 Die Befunde haben eine besondere Relevanz, da Teriflunomid üblicherweise als Basistherapeutikum bei der milden bis moderaten MS eingesetzt wird, Ofatumumab jedoch bei der schweren MS mit hoher Krankheitsaktivität.

Dass sich ein frühzeitiger Einsatz von Teriflunomid lohnt, demonstrieren laut Wattjes die Ergebnisse der TOPIC-Studie. In dieser Studie wurden Patienten mit einem klinisch isolierten Syndrom (CIS) mit Teriflunomid behandelt, was eine signifikante Reduktion der Atrophie der kortikalen grauen Substanz zur Folge hatte.5 Wattjes: „Die Atrophierate beim CIS ist dabei direkt korreliert mit dem Risiko der Konversion zur klinisch manifesten MS“.

Die vorliegenden Daten dokumentieren somit, dass sich der Hirnvolumenverlust durch die Therapie der MS und insbesondere durch eine Behandlung mit Teriflunomid verlangsamen lässt, was auch einen messbaren Effekt auf die Marker der Krankheits- und Behinderungsprogression hat.

Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit

Die Reduktion der Hirnatrophie ist nach Wattjes aber nicht nur hinsichtlich der Behinderungsprogression bedeutsam, sondern kann auch zum Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit der Patienten beitragen. Auch zu diesem Aspekt liegen nach seiner Darstellung Daten zu Teriflunomid vor:7 So berichteten 48 Wochen nach Therapiebeginn 58 Prozent der Patienten unter Teriflunomid nur minimale oder sogar keine kognitiven Einschränkungen. Der Anteil dieser Patienten wie auch der Anteil der Patienten mit schwerer Beeinträchtigung blieb im Studienverlauf stabil. „Das sind relevante Beobachtungen“, so Wattjes, „denn wir behandeln schließlich Patienten und nicht volumetrische Daten“.

 

Zusammenfassung

Menschen mit Multipler Sklerose weisen in aller Regel eine beschleunigte Hirnatrophie auf, was mit einem erhöhten Risiko für eine Behinderungsprogression und für kognitive Beeinträchtigungen verbunden ist. Die forcierte Hirnatrophie kann durch eine Behandlung mit Teriflunomid gehemmt werden.

Referenzen

1. De Stefano N et al., CNS Drugs 2014; 28 (82); 147-156
2. Calabrese M et al., Neurology 2010; 74: 321-328
3. Sprenger T et al., Mult Scler 2020; 26 (10): 1207-1221
4. Radue EW et al., Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm 2017; 4 (5): e390
5. Zivadinov R et al., J Comp Eff Res 2019; 8 (59): 305-316
6. Hauser SL et al., N Engl J Med 2020; 383 (6): 546-557
7. Coyle PK et al., Mult Scler Relat Disord 2017; 17: 107-115

MAT-DE-2200886-1.0-03/2022

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