COVID-19 Pandemie:

Analyse der Fachliteratur zur Therapie der Multiplen Sklerose und anderer neuroimmunologischer Erkrankungen

Relevante Artikel

Neurologische Immun­therapie in Zeiten von COVID-19 – auf der Suche nach Übereinstimmungen in der Fachliteratur

COVID-19 (coronavirus disease 2019) ist eine neue Erkrankung, die durch eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 Virus hervorgerufen wird. Anfang März erklärte die WHO COVID-19 zur globalen Pandemie. Für Patienten, die wegen einer neuroimmunologischen Erkrankung wie Multiple Sklerose (MS) immuntherapeutisch behandelt werden, ist die Situation besonders beängstigend. Welche Kriterien müssen in der heutigen Zeit zusätzlich bedacht werden, wenn es um Fragen zur Einleitung einer immunsuppressiven Therapie, zur Fortsetzung oder Optimierung der Behandlung geht? Ist das Infektionsrisiko für MS-Patienten erhöht? Ist das Risiko einer schweren COVID-19-Erkrankung, die eine Intensivbehandlung erfordert, größer? Führt eine Infektion bei diesen Patienten zu anhaltender Behinderung oder womöglich zum Tod?

Zum Management von Patienten mit immunologischen Erkrankungen, insbesondere mit MS, während der Pandemie wurden eine Reihe nationaler und internationaler Richtlinien, Empfehlungen und wissenschaftlicher Arbeiten veröffentlicht. Diese Publikationen sind jedoch heterogen in ihren Ergebnissen und Empfehlungen und verfügen nur über geringfügige Evidenz.

Eine Gruppe von Wissenschaftlern hat jetzt vor diesem Hintergrund eine Literaturrecherche durchgeführt und die Informationen mit Hilfe Delphi-ähnlicher Verfahren auf ihren größtmöglichen Konsens analysiert. Das Ergebnis ist eine Liste mit 22 Fragen und Antworten zum Management von neuroimmunologischen Erkrankungen während der COVIC-19 Pandemie gestaffelt nach Anzahl der Übereinstimmungen und mit Angabe des prozentualen Konsens.

In einer weiteren Analyse gingen die Wissenschaftler der Frage nach, welche immunsuppressiven und Zell-depletierenden MS-Therapeutika aufgrund ihres Wirkprinzips das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhen, aber das Risiko eines schweren Verlaufs einer möglichen COVID-19 Erkrankung reduzieren können.

Die Autoren weisen darauf hin, dass zurzeit noch nicht alle Fragen in Zusammenhang mit der COVID-19 Pandemie und krankheitsmodifizierender Therapien von neuroimmunologischen Erkrankungen beantwortet werden können. Deshalb sei es wichtig, dass vor Beginn einer Therapie, vor Fortsetzung oder Optimierung einer solchen Therapie einige wichtige Punkte bedacht werden. Dabei handelt es sich um Faktoren, die die Krankheit betreffen, z.B wie schwer der Patient betroffen ist; weiterhin Faktoren, die den Patienten selbst betreffen, z.B. wie hoch das Risiko des Patienten ist, dass eine COVID-19 Infektion schwer oder letal verläuft. Auch sollte der Patient gefragt werden, ob er selbst - die Einschätzung des Arztes spielt hier keine Rolle - die Risiken der Erkrankung, die er hat, oder die einer möglichen COVID-19 Infektion höher einschätzt. Weitere Faktoren, die bedacht werden sollten, sind die Erfahrungen des behandelnden Arztes, das regionale Infektionsrisiko und die Therapie selbst.

Solange noch nicht alle Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet werden können, gelten die Grundprinzipien der Medizin: Das individuelle Risiko der neuroimmunologischen Therapie und das einer COVID-19 Infektion eines Patienten sind abzuwägen.

MS Ikon Referenzen

Referenzen

  1. Korsukewitz C et al., Neurological immunotherapy in the era of COVID-19 — looking for consensus in the literature, Nat Rev Neurol (2020) https://doi.org/10.1038/s41582-020-0385-8

MAT-DE-2001486 v1.0 (08/2020)

Für Fachkreise

Bitte loggen Sie sich ein, um ausführliches fachliches Informations- und Serviceangebot zu erhalten.

DocCheck-Login

Für Patienten

MS Begleiter informiert Erkrankte und ihre Angehörigen rund um das Leben mit MS

www.ms-begleiter.de