LEOSS-Register

Welchen Verlauf nimmt COVID-19 bei MS

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Europäisches Register wird gezielt COVID-19-Verlauf bei Multipler Sklerose untersuchen

Menschen mit relevanten Vorerkrankungen tragen nach derzeitiger Kenntnis ein deutlich erhöhtes Risiko, sich mit dem neuartigen Corona-Virus zu infizieren und einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Das hat auch bei vielen MS-Betroffenen zur Verunsicherung geführt. „Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose fragen sich, ob ihr Risiko für eine COVID-Infektion und/oder für einen schweren COVID-Krankheitsverlauf erhöht ist – vor allem dann, wenn sie mit immunmodulierenden MS-Medikamenten behandelt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS).

Eindeutige Antworten auf diese Fragen sind bislang nicht möglich. Zwar gibt es einerseits keine Belege dafür, dass auch bei Menschen mit MS das Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 generell erhöht ist und ein besonders schwerer Krankheitsverlauf droht. Andererseits aber ist die Datenlage limitiert und laut KKNMS keineswegs ausreichend, um solche Fragestellungen eindeutig beantworten zu können.

Patienten mit MS und Covid-19 im LEOSS-Register erfassen

Unterstützt auch von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat die KKMS daher angeregt, dass solche MS-spezifischen Fragestellungen in die Erfassung durch das europäische Patientenregister LEOSS (Lean European Open Survey on SARS CoV II Infected Patients“; https://leoss.net) mitaufgenommen werden. Auf die Initiative der MS Study Group der KKNMS ist damit nun möglich, die MS als Komorbidität im Register anzugeben und für die Patienten die aktuelle Immuntherapie und die neurologische Behinderung vor und nach einer COVID-Erkrankung zu dokumentieren.

„Wir hoffen, mit den Registerdaten in Zukunft wichtige Forschungsfragen beantworten zu können, beispielsweise, ob die MS und deren Immuntherapie ein Risikofaktor für COVID sind und wie sich die Erkrankung auf das Outcome auswirkt“, erläuterte Professor Dr. Achim Berthele, leitender Oberarzt am Klinikum rechts der Isar in München und Mitglied der KKNMS Study Group.

Ziel ist es laut KKNMS, möglichst viele MS-Patienten, die an der COVID-19-Infektion erkranken, im LEOSS-Register zu erfassen. Aus diesem Grund haben die DGN wie auch die DMSG ihre Mitglieder dazu aufgerufen, betroffene Patienten in dem Register erfassen zu lassen.

Europaweiter Ansatz

Als Vorteile von LEOSS nennt die KKNMS dabei den europaweiten Ansatz und den Umstand, dass das Register die notwendigen Vergleichspopulationen einschließt. Alle im LEOSS-Register gesammelten Daten gehen dabei zur gemeinsamen Analyse an die wissenschaftliche Gemeinschaft. LEOSS ist mehrsprachig und soll in der ganzen EU zum Einsatz kommen. Eine Besonderheit ist zudem die Selbstverwaltung der Studie durch die teilnehmenden Zentren. Durch die strenge Anonymität mit mehrstufigen Sicherheitsfunktionen ist die Studie auch bei nicht aufklärungsfähigen Patienten einsetzbar.

MS Ikon Apropos

Apropos

Das LEOSS-Register wurde auf Initiative der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) als europäisches Fallregister aufgelegt. Es sollen klinische Daten von Patienten mit einer SARS-CoV-2-Infektion gesammelt werden, um Fragen zum Verlauf der Infektion konkreter klären zu können.

Zusammenfassung

Patienten mit Multipler Sklerose, die an der COVID-Infektion erkranken, sollen ab sofort im LEOSS-Patientenregister erfasst werden. Die Registerdaten sollen es ermöglichen, künftig wichtige Forschungsfragen beantworten zu können, wie etwa die Frage, ob die MS ein Risikofaktor für COVID-19 ist und wie sich eine immunmodulierende Behandlung der Erkrankung auf das Infektionsrisiko und gegebenenfalls auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

MAT-DE-2001114 v1.0 (07/2020)

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